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09.05.2017 - Autor: Jochen Dieckmann  - Aus der Branche



Digitale Lösungen gegen Lkw-Parkplatznot


„Kolonnenparken“ und „Kompaktparken“, mit diesen Erfindungen soll die Parkplatznot für Lkw an deutschen Autobahnen eingedämmt werden.

Alleine in Nordrhein-Westfalen fehlen laut Angaben des Verbands Spedition und Logistik e.V. (VSL) 5.000 Parkplätze.

Foto: wikipedia, user Johann 56

Die Bundesregierung hat das Problem erkannt und eine halbe Milliarde Euro für den Bau neuer Parkplätze bereitgestellt. Bis Ende dieses Jahres sollen von diesem Geld bundesweit 6.000 Lkw-Parkplätze gebaut werden. Doch diese beiden Zahlen belegen schon, dass das keinesfalls ausreicht. Neben dem weiteren Bau und Ausbau sind technische Lösungen erforderlich, die derzeit bestehenden Parkplätze effektiver auszulasten.


Kolonnenparken

Bereits seit 2005 gibt es an der Raststätte Montabaur an der A3 (Richtung Norden) das sogenannte telematisch gesteuerte Lkw-Parken, auch genannt „Kolonnenparken“.

Der Bau des Pilotprojekts wurde vom Bundesverkehrsministerium unterstützt. Mit dem neuen System konnte die Anzahl der Lkw-Parkplätze in Montabaur verdoppelt werden, ohne einen einzigen Quadratmeter zusätzlichen Platz zu versiegeln. Dort gibt es keine Parktaschen für einzelne Lkw, sondern Parkspuren, in denen mehrere hintereinander parken können. Bei der Einfahrt zum Parkplatz muss man eine Schranke passieren und dort angeben, wie lange man parken möchte. Sensoren messen die Länge des Lastwagens. Mittels Telematik rechnet das System aus, in welcher Parkspur wie viel Platz ist und weist dem Fahrer eine Reihe zu, in der nur Fahrzeuge vor ihm stehen, die früher abfahren. Die Telematik-Detektoren erkennen auch automatisch Falschparker, die etwa in die Reihe zehn statt in die elf eingefahren sind. Der elektronische Parkwächter berechnet dann dieses Fehlverhalten beim weiteren Verteilen von Parkplätzen mit ein. Soweit die Theorie. In der Praxis gibt es aber gelegentlich Probleme, wenn zu viele Kollegen in die falschen Spuren fahren oder wenn der Lkw vor einem nicht mehr anspringt. Ein weiterer Kritikpunkt: Dies ist der erste Autobahnparkplatz, wo man für das Parken eine Gebühr bezahlen muss wie auf dem Autohof.


Im Jahr 2009 wurde am Autohof Lohfeldener Rüssel (Kassel) ein weiterer Parkplatz mit dem gleichen System eröffnet. Das Kolonnenparken hat sich so gut bewährt, dass das System mittlerweile patentiert wurde.

Kompaktparken

Dennoch hat das Bundesverkehrsministerium vier Millionen Euro für ein weiteres automatisiertes Parksystem bereitgestellt: Das „Kompaktparken“.


Als Pilotprojekt wurde für zwei Millionen Euro der Lkw-Parkplatz an der Autobahnraststätte Jura West (A3 bei Velburg, Richtung Passau) umgebaut. Statt vorher 66 gibt es dort nun auf der gleichen Fläche 105 Lkw-Parkplätze. Während das Kolonnenparken von einem Ingenieurbüro entwickelt wurde, war für die Entwicklung des Kompaktparkens die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) verantwortlich. Auf Anfrage von Portatio schreibt die Behörde:

„Beim Kolonnenparken in Montabaur wird durch technische Unterstützung den Lkw-Fahrern ein freier Parkstand zugewiesen. Beim Kompaktparken wählen die Lkw-Fahrer einen geeigneten Parkstand selbstständig anhand der verfügbaren Restlänge und der mittels dynamischen Anzeigen angebotenen Abfahrtszeiten. Die Steuerung des Kompaktparkens basiert also nicht auf der zeitlichen Sortierung von Fahrzeugen (z.B. durch aktive Zuweisung von Parkständen oder Kenntnis des Abfahrtszeitwunsches aller Lkw wie beim Kolonnenparken), sondern beim Kompaktparken werden dynamische Anzeigen mit chronologisch aufsteigenden Abfahrtszeiten gesteuert. Die Steuerung des Kompaktparkens bietet Abfahrtszeiten an, die, wenn die Lkw-Fahrer sie berücksichtigten, zu dem Ergebnis führen, dass die Lkw zeitlich sortiert parken.
Beim Kompaktparken ergeben sich für die Lkw-Fahrer u.a. folgende Randbedingungen, die zu einer guten Akzeptanz des Systems beitragen sollen:

  • Sie geben keinem System ihre Abfahrtszeit bekannt.
  • Der Parkbereich ist nicht durch eine Schranke beschränkt, sondern frei befahrbar.
  • Fahrzeuge mit gleicher Abfahrtszeit (z.B. wenn mehrere Fahrzeuge einer Spedition ankommen) können beieinander parken.
  • Wenn ein Fahrzeug liegen bleibt, können die dahinter parkenden über die benachbarte Parkreihe ausfahren, da die Fahrzeuge in der Nachbarreihe ja zeitlich ohnehin früher fahren wollten.
  • Findet ein Fahrer seine Wunschabfahrtszeit nicht, kann er entweder in einer Reihe vorn parken, wenn dort eine spätere Abfahrtszeit steht, oder in einer Reihe auf letzter Position parken, wenn dort eine frühere Abfahrtszeit steht. Die Fahrer können also dazu beitragen, andere Fahrer nicht zu behindern.
  • Oftmals hat „Fehlverhalten“, also ein falsch eingeordneter Fahrer, keine Auswirkung auf andere.
  • Kompaktparken ist transparent, denn wenn ein Fahrer ankommt, weiß er, wann die Fahrzeuge in der Reihe spätestens abfahren wollen und ordnen sich entsprechend ein.
  • Kompaktparken ist kostengünstig und robust gegenüber Ausfall der Detektion.“


Parkplatz-Apps

Neben der besseren Organisation bereits bestehender Lkw-Parkplätze gibt es einen weiteren Lösungsansatz für Fahrer, die Pause machen wollen: Parkplatz-Apps für das Handy. Sie funktionieren ähnlich wie die Blitzer-App. Fahrer melden freie Parkplätze und können umgekehrt sehen, ob bzw. wo beispielsweise in 100 km ein Parkplatz zu finden ist. Es gibt mehrere konkurrierende Anbieter, derzeit sind ihre Apps alle (noch) kostenlos erhältlich. Die älteste dieser Anwendungen gibt es bereits seit mehr als drei Jahren. Übrigens: Wenn das Handy in einer festen Konsole im Fahrzeug steckt, darf es auch während der Fahrt bedient werden, natürlich nur, wenn die Verkehrssituation das zulässt. Dann kann man sowohl freie Parkplätze melden als auch während der Fahrt heraussuchen, auf welchem Parkplatz man auf der Strecke die Pause einlegen kann.




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.


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