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04.04.2018 - Autor: Daniela Kampschulte   - Danielas Kolumne



„Halte mal meine Eier“


Mein Auftrag war es, einen Bund U-Stahl zum Sandstrahlen zu fahren. Gesagt, getan. Den Bund aufgeladen und die Adresse mal ins Navi getippt: 10 km entfernt - ok, das sollte klappen.

Kurz vorm Ziel ging es in ein kleines Industriegebiet. Prima, dachte ich, gleich biste da. Langsam durch das Industriegebiet gerollt und die Firma gesucht. Aber nix…meine Firma war nicht dabei. Am Ende der Straße stand dann ein Schild, welches wir Kraftfahrer nicht so gerne sehen wollen: Sackgasse - keine Wendemöglichkeit für LKW! Au weia. Aber mein Navi war der Meinung: „Dooooch, da musste rein, ob du willst oder nicht!“

Nach einem kurzen Stopp und dem Auffinden eines Schildes, welches meine Zielfirma auswies, bin ich dann langsam in diese Sackgasse gerollt. Hm…es war eher ein geteerter Feldweg, gerade so breit wie mein LKW. Am Ende ging es entweder geradeaus in den Wald oder im 90 Grad Winkel nach links in den nächsten geteerten Feldweg. Und eben da sollte ich rein - auch hier wieder ein Firmenschild.

Vorsichtig habe ich mich um die Kurve getastet, immer links des Zauns mit den Schafen auf der Wiese und rechts die ziemlich hohe Buchenhecke im Blick.

Oben angekommen, hörte der geteerte Weg auf einmal auf und endete auf ’nem Acker.

Um Gottes willen! Hoffentlich ist das jetzt auch richtig! Rechts war eine Zufahrt, fast wie zu einem Gutshof. Das zweiteilige schmiedeeiserne Tor war offen. Ich also ganz mutig zwischen hohen Bäumen, die links und rechts zu meiner Sorge arg am Auflieger entlang schrubbten, auf den Hof.

Mein erster Gedanke war: „Wie um Gottes Willen kommst du hier wieder raus?“

Der Hof war ein, ich sag mal, festgefahrener Acker, umsäumt von Bäumen und einigen Maschinen und Mini-Baggern. Links nach der Einfahrt stand ein Baum, daneben ein Anhänger. Rechts nach der Einfahrt ein mobiles Stromaggregat, mitten in der Fahrspur meines Aufliegers. Ganz knapp kam ich vorbei.

Um hier drehen zu können, musste ein Anhänger der Firma, der dummerweise in meinem Wendekreis stand, auf jeden Fall dort weg. Aber das sollte erstmal meine Sorge nicht sein.

Ich habe mich im Büro gemeldet und die Dame kam auch sofort mit raus. O-Ton: „Oh Schreck! So ein großer LKW! Wie bekommen wir Sie hier denn wieder raus?“ Tja…das war irgendwie auch mein erster Gedanke!

Der Stapler kam und wir haben abgeladen. Währenddessen trudelte der Fahrer mit dem LKW der Firma ein und fragte mich, ob er den Anhänger wegfahren soll, damit ich wieder rauskäme. „Das wäre super! Danke!“
„Warte mal kurz, ich hänge an. Aber tu mir bitte einen Gefallen: Halt mal meine Eier.“
WAS sollte ich? „Sach ma, wat is denn mit Dir nicht in Ordnung?“, lachte ich. „Deine Eier halten?! Geht’s noch?“ Und ging zu meinem LKW.
Er rief hinter mir her, dass ich ihm doch bitte eben seine Eier annehmen sollte. Eier halten…was hatte er vor? Und als er mir einen Karton Eier vom Bauern in die Hand drückte, hätte ich fast lachend flachgelegen.
„Was dachtest Du denn, was ich mit Eier meine?“
„DAS willst Du jetzt nicht wirklich wissen! Aber woher soll ich denn wissen, dass Du einen Karton Eier hinten auf dem Tritt am LKW stehen hast? Mensch!“

Da war es mit der Ernsthaftigkeit vorbei. Vor Lachen konnten wir beide jetzt nix mehr machen. Nachdem wir uns wieder einigermaßen gefangen hatten, fuhr er den Anhänger raus und ich bin wieder abgefahren.

Seine Worte zum Abschied: „Beim nächsten Mal drück ich Dir die Eier direkt inne Hand, ohne was zu sagen!“ „Pass lieber auf, dass ich Dir keine Eier mitbringe!“
Oder: Wie man morgens um kurz nach 9 schon den ersten Lachflash kriegt!




Daniela Kampschulte  

Ich bin Daniela, Berufskraftfahrerin und Kraftverkehrsmeisterin aus Attendorn im schönen Sauerland. In meiner Kolumne hier auf portatio, schreibe ich über alles rund um meinen Job und allem, was damit zu tun hat! Witziges darf da natürlich nicht fehlen.Besucht mich auch auf meinem privaten Blog.


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