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09.07.2013 - Autor: Jochen Dieckmann  - Aus der Branche



Böse Nachbarn


Neulich bei mir zu Hause:
Ich hatte meine Zugmaschine mitgenommen, um den Innenraum mal wieder gründlich zu reinigen, und freute mich als ich sah, dass direkt vor meiner Haustür eine Parkbucht mit drei Plätzen frei war. In meinem Wohngebiet sind ausreichend Parkplätze vorhanden, aber dummerweise brauche ich für die Zugmaschine zwei (Pkw-)Parkplätze hintereinander. Glück gehabt also. Denkste!


Rücksichtnahme Fehlanzeige
Denn der Pkw vor mir stellte sich genau auf den mittleren dieser drei Plätze. Ich traute meinen Augen kaum, stieg aus und bat den vor wenigen Tagen neu hinzugezogenen Nachbarn höflich, doch einige Meter vor oder von mir aus auch zurückzufahren, damit ich da auch noch parken könne.

Dann entspann sich folgender Dialog:
„Nein, ich bleibe hier stehen. Das hier ist ein Wohngebiet, Sie dürfen mit Ihrem Lkw hier gar nicht parken.“

„Ja, stört Sie das Fahrzeug hier? Fühlen Sie sich in irgendeiner Weise davon belästigt?“

„Nein, aber es ist eben verboten.“

„Wo soll ich denn Ihrer Meinung nach parken?“

„Das ist mir egal.“

„So habe ich Sie eingeschätzt.“

Man kann sich vorstellen, dass das der Beginn einer äußerst rustikalen Nachbarschaftsbeziehung war.

Da bewahrheitete sich mal wieder das schöne Schiller-Zitat: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ Es ist doch wirklich zum Haare raufen. Man will die Waren die der Lkw bringt, aber man will den Lkw nicht. Fahren sollen wir nicht. Halten sollen wir auch nicht.

St.-Florians-Prinzip
Ihre Aussage ist immer die gleiche: Ob Lkw parken oder nicht, ist uns völlig wurscht. Hauptsache, nicht im Umkreis von ein bis zwei Kilometern vor unserer Haustür. Sogar in neu entstehenden Industriegebieten sollen Lkw nicht parken dürfen. Halteverbotsschilder, Steine oder sonstige Barrieren stehen an vielen Stellen.

Bürgerinitiativen auf dem Vormarsch
Meldungen über Bürgerinitiativen gegen Lkw gibt es zu Dutzenden - mit Forderungen nach Sperrungen, Durchfahrtsverboten, Beschränkungen von Gewicht, Uhrzeit, Park- und Halteverboten. All diese Initiativen lehnen die betreffenden Lkw-Parkplätze ab, nicht eine von ihnen bietet jedoch Alternativvorschläge an.

Ich war einmal im Bundesverkehrsministerium zu einem Gespräch über Bezahlung, Ansehen und Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern. Ein hoher Ministerialbeamter brachte es treffend auf den Punkt, als er sagte: „Angesichts dessen, was sich Lkw-Fahrer alles gefallen lassen müssen, wäre es vielleicht das Beste, wenn die mal zwei Tage strei..., äh, ich meine aktiv CO² einsparen würden.“

Vielleicht verstehen die Leute dann endlich mal, dass es mit Lkw manchmal schlecht vorangeht, ohne Lkw aber überhaupt nicht.




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Schuldnerberater und Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen als Teil der Transportbotschafter für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.

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