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19.08.2013 - Autor: Jochen Dieckmann  - Aus der Branche



Polizeiliche Desinformation


Am Montag, den 19. August 2013 meldete die Polizei, in Duisburg sei auf der A 3 ein LKW umgekippt, der 30 Tonnen Fisch geladen habe.


Jeder aus der Branche weiß, dass in diesem Fall der LKW um viele Tonnen überladen gewesen sein müsste, da es sich nicht um einen Schwertransport handelte.

Ein Anruf bei der für die Duisburger Autobahnpolizei zuständigen Pressestelle in Düsseldorf ergab, dass die Beamten sich mal wieder geirrt hatten. Man hatte bei dem Auflieger das zulässige Gesamtgewicht verwechselt mit dem Gewicht der Zuladung – der LKW war demnach gar nicht überladen. Wenn so etwas einem Laien passiert, kann man darüber hinweg schmunzeln, aber dass den Profis der Polizeipressestelle das immer wieder passiert, ist ärgerlich. Im Juli hatte gemäß einer Polizeimeldung in München ein Fahrer angeblich  40 Tonnen Bauschutt geladen (20.7.), in Sachsen 40 Tonnen Granitsteine (16.7.), diese Aufzählung lässt sich lange fortsetzen.

Auch bei den Ruhezeiten

Ähnliches gilt für zu kurze Ruhezeiten. Wenn ein Fahrer statt der vorgeschrieben 9 oder 11 Stunden nur 6 Stunden Pause macht, zählt die Pause als nicht eingehalten. Macht er das mehrmals hintereinander, dann zählt die Polizei nicht nach Adam Riese zusammen sondern nach den von ihr geschaffenen eigenen Regeln. Es werden einfach alle Stunden addiert und so kommen Meldungen zustande, dass Fahrer angeblich über 100 Stunden ununterbrochen am Steuer saßen.

Nun müsste es ja auch eigentlich Aufgabe der jeweiligen Zeitungsredakteure sein, die Polizeimeldungen auf Plausibilität zu prüfen. Das entfällt jedoch oft, sei es, weil sie noch weniger Ahnung vom Straßengüterverkehr haben als die polizeilichen Presseprofis, sei es weil sie zu obrigkeitshörig sind gegenüber amtlichen Meldungen oder wegen ihres ständigen Zeitdrucks. Manche Fahrer vermuten gar, dass es Redakteure gibt, die in dem LKW ein Feindbild sehen und diesen gerne verunglimpfen. Jedenfalls scheint  außerhalb der Transportbranche niemand dieser seit Jahren anhaltende Missstand zu stören. Das Zusammenspiel von ahnungslosen Beamten der Polizeipressestellen und unfähigen Zeitungsredakteuren führt im Ergebnis zur kontinuierlichen Desinformation.


Keine Lösung in Sicht

Da die Transportbranche eine schlechte Lobby und zu wenige Verbündete hat, ist leider auch davon auszugehen, dass sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern wird. Um das dennoch zu versuchen, sollten fachkundige Zeitungsleser immer in solchen Fällen bei den zuständigen Redakteuren und den Polizeipressestellen anrufen, mailen, schreiben, faxen und so lange nerven, bis diese sich endlich mal der Wahrheit verpflichtet fühlen, wie es eigentlich ihre Aufgabe ist.

Pressemeldung: LKW mit 30 Tonnen Fisch...




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen als Teil der Transportbotschafter für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.

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