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18.12.2013 - Autor: Jochen Dieckmann  - Straßenverkehr



Alles unter Kontrolle


Kontrollen müssen sein, denn sie schützen auch den Fahrer – doch darüber wie und wie oft lässt sich trefflich streiten.

Pappkamerad

Als LKW-Fahrer habe ich ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu Kontrollen. Einerseits ist klar, dass die Beamten nur ihren Job machen und dass sie vor allem die Einhaltung von Gesetzen kontrollieren, die auch zu meinem eigenen Schutz erlassen wurden. Ich habe vor einigen Jahren die verblüffende Erfahrung gemacht, dass Kontrollbeamte sogar sehr freundlich sein können, wenn man das im Gegenzug selbst auch ist. Allerdings kann man sich nie darauf verlassen und damit sind wir auch schon bei der Kehrseite der Medaille.

Kaum jemand bewegt sich so viel im öffentlichen Raum wie LKW-Fahrer. Polizisten, Fahrlehrer oder Taxifahrer ziehen sich spätestens zur Pause oder nach Feierabend zurück – im Gegensatz zu vielen von uns. Doch im öffentlichen Raum wird man nicht nur viel häufiger behördlich kontrolliert, mittlerweile müssen wir auch immer öfter zulassen, dass private Werkschutzleute unsere Dreckwäsche durchwühlen und unsere Pässe bei jeder zweiten Werkseinfahrt auf den Fotokopierer legen – Datenschutz: Fehlanzeige!

28 Tage ausschlafen

Es ist richtig und berechtigt, dass die Einhaltung der Ruhezeiten behördlich kontrolliert wird. Dass aber ganze 28 Tage am Straßenrand kontrolliert werden, halte ich für übertrieben. Ob man ausgeschlafen im Straßenverkehr unterwegs ist, ergibt sich aus den Lenk- und Ruhezeiten der letzten 3-4 Tage und nicht der letzten 4 Wochen. Der Rest könnte – wie in jeder anderen Branche üblich – bei jährlichen Betriebsprüfungen geschehen. Möglicherweise ist man dort auch den Verantwortlichen für Überschreitungen näher als bei der Kontrolle am Straßenrand.

Stellen Sie sich vor, ein Metzger verkauft einem Kunden irrtümlich Mett statt Mettwurst. Eine Sekretärin klebt eine Briefmarke zu wenig auf einen Brief oder ein Buchhändler verwechselt Stefan Zweig mit Stefanie Zweig und bestellt ein falsches Buch. Dreieinhalb Wochen später kommt ein belgischer oder ungarischer Polizist in den Betrieb und kontrolliert. Bekämen Metzger, Sekretärin oder Buchhändler dann eine Geldstrafe von mehreren hundert oder gar tausend Euro für die Verfehlung aufgebrummt, wäre man der Fernfahrerrealität sehr nahe.

Geldstrafen wegen Formalkram

Die Polizei sollte kontrollieren, ob jemand zu lang, zu schnell und/oder zu schwer unterwegs ist und Verstöße dagegen ahnden. Wenn aber jeder kleine bürokratische Verstoß, der absolut und überhaupt nichts mit Verkehrssicherheit zu tun hat, geahndet wird und man wieder soundso viel Prozent vom kargen Gehalt abdrücken muss, weil zum Beispiel nicht zu wenige sondern zu viele Tachoscheiben im Handschuhfach liegen, dann kann das einen Fahrer schon wütend machen. Der Unternehmer ist verpflichtet, die Scheiben nach 28 Tagen in Gewahrsam zu nehmen. Tut er das nicht, wird der Fahrer zur Kasse gebeten. Legt man hier den Maßstab des gesunden Menschenverstandes an, erscheint das absurd und ungerecht.

Natürlich kann man allen Kollegen nur raten, bei Kontrollen freundlich und kooperativ zu bleiben. Damit machen sie sich und anderen das Leben leichter. Aber ich bitte um Verständnis, wenn das manchmal nicht so einfach ist. Wer in Frankreich auf 100 Kilometer Autobahn gleich drei große Zollkontrollen über sich ergehen lassen muss, wird spätestens dann vor eine harte Geduldsprobe gestellt, wenn sich nach dem dritten Wiederverplomben herausstellt, dass der Kontroletti seine Dienstwaffe bei der Ladungskontrolle auf dem Auflieger verloren hat und die Durchsuchung nun zum vierten Mal beginnt.




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen als Teil der Transportbotschafter für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.

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