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05.12.2014 - Autor: Jochen Dieckmann  - Aus der Branche



Tipps gegen Eis auf der Plane


Eis

Schnee und Regenwasser auf LKW-Planen können über Nacht gefrieren. Wenn man dann wieder losfährt, ohne das Eis zu entfernen, kann sich dieses zu lebensgefährlichen Geschossen für dahinter fahrende Fahrzeuge entwickeln. Jedes Jahr geschehen auf diese Art schlimme Unfälle mit Schwerverletzten und Toten.

Das vom Fahrer geforderte Entfernen des Eises ist ohne Hilfsmittel zwar nur schwer möglich, aber wenn es dadurch dann zu einem Unfall kommt, wird das niemand als rechtfertigende Entschuldigung durchgehen lassen. Bleibt die Frage, was ein Fahrer tun kann, um sich zu helfen.

Am einfachsten ist es, wenn man von innen an die Plane herankommt und das Eis vom Dach schubsen kann. Oftmals geht das jedoch nicht, weil die Ladung das nicht zulässt oder der LKW verplombt ist.

Dann ist es gut, wenn der Fahrer am Vorabend an einer Stelle geparkt hat, an der es eine Schneeräum-Bühne gibt. Mittlerweile haben manche Autohöfe (z.B. Köln-Eifeltor) und große Speditionen ein solches Gerüst aufgebaut. Man kann mit dem LKW daneben fahren, mühelos über eine Leiter auf 4 Meter Höhe steigen und mit Schneeschieber, Besen usw. Schnee und Eis vom Dach entfernen. Ein solches Gerüst kostet zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Unser Facebook-Fan Thorsten Hunger hat eine Liste mit Eisräumstationen in Deutschland gefunden. Danke dafür!!

Am elegantesten sind technische Lösungen, die gleich in den LKW bzw. Auflieger eingebaut werden. Das am weitesten verbreitete System derzeit ist der Roof Safety Airbag. Dabei wird ein Luftschlauch mittig von vorne bis hinten innen unter der Plane befestigt. Wenn man abends das Fahrzeug sicher geparkt hat, wird der Luftschlauch auf Knopfdruck aufgeblasen, so dass quasi ein kleiner Dachfirst entsteht und das Dach nach beiden Seiten abschüssig abfällt. Achtung: Das Fahrzeug ist jetzt etwas höher als die gesetzlich zulässigen 4 Meter. So kann aber alles Wasser abfließen anstatt sich in Senken in der Plane abzusetzen und über Nacht zu gefrieren. Wenn man wieder losfährt, entweicht automatisch die Luft aus dem Schlauch, sodass die maximal zulässige Höhe von 4 m wieder unterschritten wird. Das System kostet 1.300 Euro zuzüglich (relativ simplen) Einbau. Obwohl das Unternehmen sich das Prinzip hat patentieren lassen, gibt es mittlerweile einige Nachahmer-Produkte.

Ein weiteres System findet vor allem in Österreich Anwendung und wird vom ÖAMTC empfohlen. Beim Eisbart-System werden Streifen quer über das Planendach verlegt, die Eis festhalten und verhindern, dass Eisschollen beim Auftauen verrutschen und auf die Straße fallen. Dieses pdf zeigt die Funktionsweise. Uns liegen keine persönlichen Erfahrungsberichte zu diesem System vor. Wer selbst das System kennt, kann sich gern bei uns melden oder einen Kommentar schreiben.

Die Anschaffung beider Systeme kann übrigens in Deutschland mit De-mimimis-Fördermitteln mit bis zu 90% des Anschaffungspreises bezuschusst werden.

Schwierig wird es für diejenigen, die weder ein Gerüst zur Verfügung noch ein solches System eingebaut haben. Da hilft dann nur noch stehenbleiben und Tauwetter abwarten oder eine hohe Leiter in Kombination mit Schwindelfreiheit und Sportsgeist. Die Berufsgenossenschaft weist allerdings darauf hin, dass das Wegrutschen von Anstell-Leitern eine sehr häufige Unfallursache ist und fast jeder von uns kennt mindestens einen Kollegen, dem das schon mal passiert ist. Besser wäre eine Stehleiter. Bei Verwendung einer Anstell-Leiter empfiehlt die Berufsgenossenschaft:

  • Der Anstellwinkel soll 65-75% betragen (Anmerkung: Ich will den Fahrer sehen, der das nachmisst und genau einstellt)
  • Die obersten drei Sprossen nicht besteigen - Die Leiter mit Leitergurt gegen Wegrutschen und Umkippen sichern
  • Empfohlen werden Standpodest, Rückenschutzbügel und GS-Prüfzeichen


Auch die Anschaffung einer teuren Leiter kann mit De-Mimimis-Mitteln gefördert werden.

Übrigens: Mit Abstand am Gefährlichsten ist Eis auf der Plane. Denn die Eisschollen können sich zu gefährlichen Geschossen entwickeln. Schnee zerstäubt eher, kann aber auch sehr gefährlich werden, wie das folgende Video beweist.




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen als Teil der Transportbotschafter für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.

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