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15.07.2016 - Autor: Jochen Dieckmann  - Aus der Branche



Monster-Truck, Gigaliner oder Lang-LKW?


Fast drei Viertel der Deutschen sind gegen einen Einsatz von Riesen-Lkw auf deutschen Straßen.

Von sebst - selbst IAA, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5544258

Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Allianz pro Schiene, des Automobil-Clubs Verkehr (ACV) und des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ergeben. Die Fragen und die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten waren von der Allianz pro Schiene formuliert worden. Die Formulierungen lassen allerdings große Zweifel daran aufkommen, ob die Fragen unvoreingenommen gestellt wurden oder ob sie nicht von vorneherein so suggestiv waren, dass das gewünschte Ergebnis dabei herauskommt.

Das fängt schon damit an, dass die Bürger nicht nach ihrer Meinung zum Lang-LKW befragt wurden sondern nach ihrer Meinung zum „Gigaliner“ und zum „Riesen-LKW“.

Es wäre vergleichbar, wenn ich Bürger nicht fragen würde, was sie von Staffordshire-Terriern halten sondern die Frage so formuliere: Sind sie nicht auch gegen mörderische Killerbestien wie z.B. den Staffordshire-Terrier?

Die weiteren Ergebnisse zeugen davon, dass die Befragten von keinerlei Sachkenntnis belastet waren und die Befrager auch gar kein Interesse daran hatten, das zu ändern. 40 Prozent der Befragten gaben beispielsweise als Begründung für ihre Ablehnung die "erhöhten Steuermittel für den Umbau des Straßennetzes" an. Das als ankreuzbare Antwortmöglichkeit überhaupt vorzugeben, lässt den Verdacht der manipulativen Absicht aufkommen, denn die Fragesteller sollten es besser wissen. Denn diese "erhöhten Steuermittel" gibt es gar nicht und sind auch nicht vorgesehen. Im Klartext: Das Straßennetz muss gar nicht umgebaut werden. Die Strecken für die Lang-LKW müssen vorab genehmigt sein, in der Regel gehen sie vom Hub an der Autobahnauffahrt zum nächsten Hub, wiederum an einer Autobahnausfahrt. Wenn Strecken für Lang-LKW ungeeignet sind, wird es keine Genehmigung geben und somit auch kein Problem und erst recht fallen keine "erhöhten Steuermittel für den Umbau des Straßennetzes" an. Diese erhöhten Steuermittel dennoch wider besseres Wissen als Antwortmöglichkeit vorzugeben, stellt die Seriosität der Umfrageergebnisse leider völlig in Frage.
Auch hier kommt es wieder sehr auf die Formulierung der Fragestellung an.
Man könnte entweder fragen: „Befürworten Sie die kostenneutrale Erlaubnis von Ökolinern auf genehmigten und geeigneten Strecken?“ Oder: „Finden Sie nicht auch, dass es unerträglich teuer für die Allgemeinheit würde, wenn jede deutsche Altstadt umgebaut werden müsste, nur weil einige Unvernünftige überall diese Monster-Trucks haben wollen?“

Fazit:
1. Alles, was der Lang-LKW in der Diskussion abkriegt, gilt eigentlich dem LKW allgemein. Die Gesellschaft müsste dieses Verhältnis erstmal klären, bevor man über Lang-LKW unvoreingenommen diskutieren könnte.
2. Die Allianz pro Schiene sollte ihren Schwerpunkt lieber wieder auf ihr Kerngeschäft verlagern, die Bemühung, die Bahn besser zu machen, anstatt sich nur noch darauf zu konzentrieren, den LKW madig zu machen, weil das populärer und populistischer ist und weil die Bahn es selbst ihren besten Freunden so schwer macht.




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen als Teil der Transportbotschafter für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.

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