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02.01.2017 - Autor: Matthias Neu  - Straßenverkehr



Gedanken eines solidarischen Autofahrers


Ich bin kein LKW-Fahrer, aber an den Umständen, wie Fahrer leben und arbeiten müssen, interessiert. Ja ich bin so einer der Berufliches und Privates schwer trennen kann.

Am Abend des 23.12.2016 fuhr ich in Basel in Richtung Heimat, die 100 km südöstlich von München liegt. Da ist mir aufgefallen, dass Gott sei Dank deutlich weniger Lkw an der Autobahn stehen und ich hab mich für die Fahrer gefreut, dass sie vielleicht bei ihren Familien sein können.
Am 26.12 fuhr ich dieselbe Strecke, nur entgegengesetzt. Da man auf langen Strecken eine gewisse Routine entwickelt, hab ich an einem Parkplatz zwischen St. Gallen und Winterthur für eine kurze Pause angehalten. Beim Reinfahren sehe ich einen einzigen Lkw... aus Weißrussland. Mein erster Gedanke war, das wird doch nicht der Alexander sein, mit dem ich letzte Woche zu tun hatte. Es war schon dunkel aber im Lkw brannte Licht. Ich bin also hin und hab geklopft.
Der Fahrer war etwas verdutzt, es war nicht Alexander, leider sprach er nur russisch. Ich habe ihm versucht zu erklären, dass ich einen Kollegen von ihm kenne und wohl die Fahrzeuge verwechselt habe. Aber egal nach ein paar Sätzen fragte er nach einer Zigarette, ich gab ihm eine halbe Schachtel und merkte, dass wohl mehr als nur Zigaretten fehlen. Also zum Auto eine Banane und Kuchen geholt und ihm gegeben. Wir haben dann uns dann noch ein wenig unterhalten.
Auf meinem weiteren Weg hab ich viel nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass sowas nicht sein darf – tagelang auf einem Parkplatz zu stehen, mit nichts außer einer Toilette. Wahrscheinlich kein Geld zu haben, denn ein paar Kilometer weiter ist ein Parkplatz mit Rasthaus. Da frage ich mich schon, ob es nicht möglich wäre, Fahrern ein schöneres Weihnachtsfest zu ermöglichen, wenn er schon nicht in der Heimat sein kann.
Auf jeden Fall möchte ich euch sagen, dass ich mich mit allen Fahrern, egal welcher Herkunft, solidarisch erkläre und euch für eure Arbeit danke. Und wenn ich einen sehe der Hilfe braucht, von mir bekommt er sie.




Matthias Neu 

Gastautor Matthias Neu ist beruflich fast täglich mit dem Auto auf der Autobahn unterwegs.

Der treue Besucher von Portatio hatte kurz nach Weihnachten ein Erlebnis, das ihn nachdenklich gestimmt hat.

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