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25.01.2017 - Autor: Jochen Dieckmann  - Aus der Branche



Rechengymnastik für Lang-Lkw-Gegner


Mangels besserer Argumente führen manche Lang-Lkw-Gegner Pseudobegründungen an, um ihre Ablehnung deutlich zu machen. (Siehe auch unseren Artikel: „Monster-Truck, Gigaliner oder Lang-Lkw“).

Wenn man auf der Autobahn einen Lang-LKW überholt, merkt man kaum einen Unterschied zum herkömmlichen LKW.

Dabei kommt ihnen zu Gute, dass man in Deutschland den Lkw im Allgemeinen und den Lang-Lkw im Besonderen auch mit falschen Argumenten verleumden darf, weil das populär ist und Auflage bzw. Quote macht. Selbst die schrägsten Thesen gegen Lkw werden von Redaktionen oftmals ohne Nachfrage für bare Münze genommen und weiterverbreitet.

Ein trauriges Beispiel dafür lieferte jüngst der Automobil-Club Verkehr (ACV) in einem Artikel der Augsburger Allgemeinen.

Darin heißt es:

„Beim Überholen von sogenannten Lang-Lkw - auch Gigaliner genannt - sollten Autofahrer auf der Landstraße mindestens 50 Meter mehr einplanen. ‘Die Riesen-Lastwagen machen Überholvorgänge unübersichtlich und bedeuten einen höheren Zeitbedarf‘, sagt Annabel Brückmann vom Automobil-Club Verkehr (ACV).“

 In diesen Sätzen steckt mehr Angstmache als Wahrheitsgehalt. Wenn man einen Lang-Lkw auf der Autobahn überholt, merken das viele gar nicht, da der Überholvorgang weniger als eine Sekunde länger dauert.

Das gilt natürlich auch für die Landstraße. Aber rechnen wir es doch mal durch:

Wenn der Lkw auf der Landstraße die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 60 km/ h einhält, dann fährt er 16,66 Meter pro Sekunde. Wenn ein Pkw mit 100 fährt, dann legt er 27,77 Meter pro Sekunde zurück. Mit den 40 km/h Differenz macht er pro Sekunde 11,11 Meter gut gegenüber dem mit 60 fahrenden (Lang-)Lkw. Statt 1,7 Sekunden Vorbeifahren bei einem „normalen“ Anhängerzug mit 18,75 Metern Länge braucht er beim Lang-Lkw 2,3 Sekunden, also 0,6 Sekunden mehr, um an diesem vorbeizukommen. In diesen 0,6 Sekunden legt er 16,6 m zurück. Wieso daraus die Pflicht resultieren sollte, 50 Meter mehr Überholweg einzuplanen, wie in dem Artikel gefordert, wird nicht klar. Aber selbst das wären weniger als zwei Sekunden.

Der von den Lang-Lkw-Gegnern immer wieder angeführte „höhere Zeitbedarf“ beim Überholen stimmt nur dann, wenn man im Stil des klassischen Elefantenrennens nur 1-2 km/h Differenz zwischen Überholer und Überholtem hat, nicht jedoch bei den alltäglichen Überholvorgängen. Wenn ein „normaler“ Lkw einen anderen Lkw auf der Autobahn mit 2 km/h Geschwindigkeitsdifferenz überholt, dann braucht er 32 Sekunden, um einen anderen „normalen“ Lkw zu überholen. Beim Lang-Lkw wären es weitere 10 Sekunden mehr. Die Verzögerung für die Autofahrer dahinter kommt also weniger durch die Tatsache, dass ein Lang-Lkw überholt wird, als durch die geringe Geschwindigkeitsdifferenz.

Wenn ein Lkw auf der Autobahn mit 20 km/h Geschwindigkeitsdifferenz einen anderen Lkw überholt, dann braucht er beim Lang-Lkw 1,2 Sekunden länger für den Überholvorgang als bei einem herkömmlichen Lkw.

Ärgerlich für die Branche ist dabei nicht nur die unseriöse Stimmungsmache von Vereinigungen von Autofahrern und Bahnfreunden, sondern vor allem die Tatsache, dass selbst Redaktionen von Medien, die ansonsten dafür bekannt sind, sorgfältig zu recherchieren, jeden Unfug unhinterfragt übernehmen, solange Lkws dabei nur schlecht genug wegkommen. Auch diverse Fakenews, z.B. dass Lang-Lkw 60 Tonnen wiegen und über zu kleine Kreisverkehre und marode Brücken fahren, werden immer wieder von Redaktionen übernommen und weiterverbreitet. Wer das glaubt, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Die Ökoliner wiegen – genau wie die „normalen Lkw“ - nur 40 Tonnen und bekommen nur Strecken genehmigt, wo es weder zu kleine Kreisverkehre noch marode Brücken gibt.




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen als Teil der Transportbotschafter für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.

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