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19.10.2017 - Autor: Jochen Dieckmann  - Aus der Branche



Die Aufzeichnungspflicht und der Urlaubsschein


Seit dem 18. August 2017 gibt es eine Änderung des § 20 Fahrpersonalverordnung (FPersV), die besagt, dass in vielen Fällen die „berücksichtigungsfreien Tage“ nicht mehr – wie bisher - durch den Urlaubsschein belegt werden dürfen. 

Doch der Reihe nach. LKW-Fahrer müssen bei einer Kontrolle bekanntlich nachweisen, wann sie innerhalb der letzten 28 Tage gearbeitet haben und wann nicht. Üblicherweise wird das in den Fahrtenschreibern ihrer Fahrzeuge aufgezeichnet bzw. eingetragen. Komplizierter wird es, wenn sie innerhalb der letzten 4 Wochen Tage hatten, wo sie nicht gefahren sind, weil sie krank waren, Urlaub hatten oder andere Tätigkeiten ausgeübt haben. Bisher konnten sie diese berücksichtigungsfreien Tage durch ein standardisiertes Formular belegen. Diese Bescheinigung über die berücksichtigungsfreien Tage – auch Urlaubsschein genannt – muss(te) vom Chef und vom Fahrer unterschrieben werden. Seit August 2017 ist das nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Für die wenigen Fahrer, die noch einen LKW mit analogem Tachographen fahren, ist es am einfachsten. Sie brauchen nur auf der Rückseite des aktuell verwendeten „Schaublatts“ (Tachoscheibe) handschriftlich eintragen, von wann bis wann sie Urlaub hatten, krank waren oder „sonstige Tätigkeiten“ ausgeübt haben. Bis 2015 mussten sie für jeden Tag eine Tachoscheibe auf der Rückseite beschreiben, seitdem reicht es, den gesamten Zeitraum auf dem aktuellen Schaublatt einzutragen. Daran hat sich auch durch die jüngste Änderung des §20 FPersV nichts geändert.

Wer jedoch einen digitalen Tachographen hat, darf jetzt den Urlaubsschein nur noch in Ausnahmefällen nutzen. Stattdessen muss er diese Zeiten in seinem Digitacho detailliert nachtragen. Wenn jemand die letzten drei Tage nicht gefahren ist, sondern im Büro oder der Werkstatt gearbeitet hat, reicht es aber nicht aus, diese drei Tage pauschal einzutragen. Stattdessen muss der Nachtrag so aussehen, wie im folgenden Beispiel: Letzten Montag 8.00 Uhr bis 12.30 Uhr sonstige Tätigkeiten, 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr Pause, 13.30 Uhr bis 18.00 Uhr sonstige Tätigkeiten, 18.00 Uhr bis Dienstag 8.00 Uhr Pause, 8.00 Uhr bis 12.30 Uhr sonstige Tätigkeiten. Wenn sich jemand beim Eingeben der Zeiten z.B. beim 9. Ereignis vertippt, darf er wieder von vorne anfangen.

Der bisher gültige Urlaubsschein darf nur noch in zwei Ausnahmefällen genutzt werden. Zum einen dann, wenn man noch einen Digitacho der ersten Generation hat, wo diese Nachträge technisch nicht möglich sind und zum anderen, wenn der Nachtrag „besonders aufwendig“ (§20, Absatz 4) wäre. Was als besonders aufwendig gilt, wird im Gesetz nicht genauer beschrieben. Beim Bundesamt für Güterverkehr (BAG) sagte man uns auf Nachfrage, davon sei auszugehen, wenn der Nachtrag mehr als 5 Tage oder mehr als 25 „Ereignisse“ beinhalten würde. Diese Angaben sind jedoch nur als inoffizielle Empfehlung zu verstehen. Eine genauere Festlegung wird es erst dann geben, wenn jemand wegen eines Verstoßes zur Kasse gebeten wird und dagegen gerichtlich vorgeht durch alle Instanzen.

Wie die Tachoscheiben müssen auch die Urlaubsscheine übrigens nach Ablauf der 28 Tage unbedingt aus dem Fahrzeug genommen und im Betrieb aufbewahrt werden. Denn Fahrern droht nicht nur ein Knöllchen, wenn Dokumente über Lenk- und Ruhezeiten fehlen, sondern merkwürdigerweise auch, wenn man zu viele dabei hat aus länger zurückliegenden Zeiträumen.

Schlussbemerkung: Nach unserer Auffassung trägt die Neuerung kaum zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit bei, sondern nur zu mehr Bürokratie. Es entsteht der Eindruck, dass die Erfinder dieser neuen Regelung sehr weit entfernt sind von der Praxis des Transportalltags.




Jochen Dieckmann 

Jochen Dieckmann hat viele Jahre als Journalist unter anderem für den hessischen Rundfunk und als internationaler Fernfahrer gearbeitet. Über seine Erfahrungen "auf der Straße" hat er das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute bloggt Jochen über aktuelle Themen rund um die Transportbranche auf portatio.com und setzt sich für ein besseres Miteinander im Straßengüterverkehr ein.

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