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02.08.2018 - Autor: Daniela Kampschulte  - Allgemeines



Der Kampf zurück ins Leben


Florian Schmuki, einer unserer treuen Leser und User, hat uns seine Geschichte erzählt. Eine Geschichte über einen schweren Unfall, einen Kampf um Leben und Tod und einen Kampf zurück ins Leben.

Nach einem langen Gespräch habe ich ihn gefragt, ob wir seine Erlebnisse in einem Beitrag veröffentlichen dürfen und er hat seine Zustimmung gegeben. Denn diese Geschichte soll Anderen nicht vorenthalten bleiben. 

Florian war früher, seit dem 14. August 2001, Lkw-Fahrer und hatte sich damit seinen absoluten Lebenstraum erfüllt. Alles lief wunderbar, nie hatte er Probleme einen Job zu finden und konnte so Erfahrungen sammeln bei Stückgut und Getränketransport, wo das Fahren mit dem 15-Tonnen Stapler so ziemlich der Beste war. Baumaterial (Kipper, Fahrmischer, Abrollmulde mit 2- und 4-Achsern), Katastropheneinsatz mit dem Kanalreinigungsfahrzeug und Kanalreinigung an sich. Alles in allem war er ein Allround-Fahrer.

 

Am 1. März 2004 fing er seine erste Festanstellung an, denn die vorherigen Jobs waren nur temporär oder saisonal. Er bekam bei Galliker Transport & Logistics in Altishofen (Luzern) eine Anstellung als Chauffeur C/E auf Autotransporter, mit Aussicht auf die Zuteilung der Route Schweiz - Schweden. Sein Traum vom Fernfahrer war zum Greifen nah.

Am 18. April 2004 passierte es dann: Er hatte auf dem Weg zum Arbeitsort, wo er unter der Woche auch wohnte, einen verheerenden Unfall mit seinem Pkw. Frontalkollision außerorts im 80er Bereich.

Die beiden älteren Personen im anderen Wagen waren sofort tot, er selbst war nach Aussagen der Ärzte damals ebenfalls kurz davor. Schwerste Kopf- und Hirnverletzungen (offener Schädelbruch, schweres Schädel-Hirntrauma, 6 Hirnblutungen, 2. Halswirbel gebrochen, ganze reche Gesichtshälfte gebrochen und eingedrückt), rechter Unterschenkel samt Fersenbein total zertrümmert und durch eine starke Verrenkung des rechten Schlüsselbeins riss es ihm einen Teil des Hauptnervs des rechten Armes mitsamt der Wurzeln aus der Wirbelsäule, wodurch seine rechte Hand komplett gelähmt und taub ist, wie auch Teile des Armes.

Nach fünfeinhalb Jahren und etwa 60 Operationen wurde er dann wieder für arbeitsfähig erklärt und ihm gelang es sogar, zumindest seinen Pkw-Führerschein wiederzubekommen.

Lkw fahren darf er wohl nie mehr, was ihn damals auch in tiefe Depressionen riss.

Dank Unterstützung der Familie, Behörden, Behindertenwerkstätten etc. hat er sich wieder gefangen und hochgekämpft.

 Er hat sich fast in der ganzen Schweiz um Arbeit bemüht (Muttersprachen: Rätoromanisch und Deutsch, Französisch kann er ebenfalls), doch keiner wollte ihn einstellen. Bis er im September 2017 als Notfallkurier auf Abruf mit eigenem Fahrzeug anfangen konnte.

Sein Chef dort erkannte schnell seinen Arbeitswillen und sein Potenzial, was dazu geführt hat, dass er seit 1. Dezember eine Festanstellung hat und vor ein paar Wochen sogar sein eigenes Dienstfahrzeug bekam.

Seine eigenen Worte mit seinem Humor:

„So kann's gehen: Früher war ich ein schwer ramponierter Patient und heute kutschier ich Blutproben und -konserven durch die Stadt Zürich.“

Wir von portatio finden, dass seine Geschichte ein gutes Beispiel ist, wie ein Mensch sich aus einem Tief wieder ans Licht kämpfen kann. Respekt von unserer Seite dafür, dass Florian sich nie aufgegeben hat, wie er für sich und seine Gesundheit gekämpft und gesiegt hat. Daumen hoch für diese Leistung!




Daniela Kampschulte 

Ich bin Daniela, Berufskraftfahrerin und Kraftverkehrsmeisterin aus Attendorn im schönen Sauerland. In meiner Kolumne hier auf portatio, schreibe ich über alles rund um meinen Job und allem, was damit zu tun hat! Witziges darf da natürlich nicht fehlen.Besucht mich auchauf meinem privaten Blog.


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