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14.09.2018 - Autor: Daniela Kampschulte  - Allgemeines



Leider gibt es zu viele solcher Unternehmen


Neulich habe ich einen Bericht über den Leiter einer Speditionsabteilung gelesen, der in über 70 Fällen von seinen Fahrern Verstöße gegen die Sozialvorschriften verlangt haben soll. Aber damit nicht genug.

 

Ihm wird vorgeworfen…

…Fahrer mit fremden Fahrerkarten losgeschickt zu haben.

…seine Fahrer genötigt zu haben, weitere Gesetzesverstöße zu begehen.

…Magnete eingebaut zu haben, die die Aufzeichnungen des Digi-Tachos verfälschen.

…eine gefälschte ADR-Bescheinigung ausgestellt zu haben.

…Fahrer ohne die in Deutschland gültige Fahrerlaubnis geduldet zu haben.

…Fahrern auferlegt zu haben, an neuen Fahrzeugen in Dänemark eigenmächtig Autokennzeichen anzubringen, um sie so ohne gültige Zulassung nach Deutschland überführen zu können. 

Ernsthaft? 

Solchen Leuten gehört auf Lebenszeit die Erlaubnis zum Führen eines (Speditions-)Unternehmens aberkannt! Wer wissentlich für den eigenen Profit Andere gefährdet, darf nicht „auf die Menschheit losgelassen werden“. 

Solche Chefs machen mich wütend. Zumal ich in der Beziehung leider ein gebranntes Kind bin. Einen solchen Chef hatte ich vor zig Jahren auch mal und das hätte mich fast mein Leben gekostet. Seitdem bin ich, was solche Machenschaften angeht, ziemlich unentspannt und versuche, wo ich kann, dagegen anzugehen und vor allem Fahrern in einer solchen Situation Hilfestellungen zu geben, etwas zu ändern.

 

Ich hoffe von Herzen, dass dieser Verantwortliche eine gerechte Strafe bekommt und NIE WIEDER eine Führungsposition innehat! So einem gehört nicht die Verantwortung für Menschenleben anvertraut!

 

Und leider gibt es davon noch viel zu viele, die ebenso verantwortungs- und rücksichtslos ihr Unternehmen führen. Und alles nur, weil sie die Euro-Zeichen in den Augen haben! Der Fahrer ist nichts wert.

 

Aber traurig auch, dass sich Fahrer immer noch sowas gefallen lassen. Egal, welche Drohungen solche Unternehmer an den Tag legen. Sowas geht gar nicht! Keine Drohung, kein Chef, keine Ladung und kein Kunde ist es wert, dass man Andere und sich gefährdet! Und die Drohung der Chefs „Dann schmeiße ich dich raus, wenn du das nicht machst!“ würde bei mir abprallen.

 

Denn eins sollten sich solche Chefs vor Augen führen: Bei einem Rausschmiss würde er mit untergehen. Garantiert! Denn ganz wichtig in unserem Job ist es, wie ich finde, dass man sich Notizen macht, über den Tag, die Ladungen, die Daten, Kilometer, Gespräche mit Dispo und Chef (Notizen reichen!). Einfach ein kurzes Protokoll pro Tag erstellen. Das kann unter Umständen eine Menge Ärger verhindern und Geld bringen, wenn Überstunden oder dergleichen einzuklagen sind. Aber vor allem: Solche Aufzeichnungen sind gerichtsverwertbar - also vor Gericht zugelassen!

Deswegen meine eindringliche Bitte an alle meine Kollegen: Macht euch diese Aufzeichnungen! Sie können euch nur helfen. Und wer jetzt mit dem Argument kommt: „Aber jeden Tag alles aufschreiben ist umständlich und kostet Zeit.“ Das ist Blödsinn. Das dauert vielleicht eine Woche, dann ist das in Fleisch und Blut übergegangen und man macht es automatisch.

Glaubt mir, ich mache das seit ich 2007 mit der Fahrerei angefangen habe. Jedes Jahr habe ich mir ein Kalenderbuch gekauft und habe jeden Tag alles für mich wichtige notiert. Über Anfang, Ende, Tages-Kilometer, Ladungen, Uhrzeiten bei Kunden (Ankunft/Abfahrt), wenn es Komplikationen gab, Telefonate mit der Dispo (wenn sie relevant waren), Lenkzeiten, Arbeitszeiten, Bereitschaft und Pausen. Jeden Tag. Und am Ende der Woche dann die Lenkzeiten, Arbeitszeiten, Bereitschaftszeiten und Pausen addiert und schon hatte ich den Überblick für die Woche und vor allem für die Doppelwoche. Dazu habe ich mir jeden Tag einen Ausdruck gemacht und an den entsprechenden Tag geheftet. Jaaa, ich weiß, so viel Papier. Aber dafür habe ich meine eigenen Digi-Tacho-Rollen gehabt, selbst gekauft. Das war es mir wert.

Ein weiterer Vorteil der Aufzeichnungen: Wenn die Dispo Wochen später mal wieder Gedächtnislücken hatte, was ich wann wo wie für wen geladen hatte, musste ich nur kurz zum entsprechenden Datum blättern und konnte ihm die gewünschte Auskunft geben. Hat hin und wieder eine Menge Ärger in der Dispo verhindert.

Und was die Drohung „Rausschmiss“ im weiteren Verlauf angeht: Derzeit werden händeringend Fahrer gesucht! Auch der Verdienst geht nach oben. Also sollte es dann kein Problem sein, etwas Neues zu finden. Und zwar bei einem Unternehmen, das nicht solche fragwürdigen Geschäftspraktiken an den Tag legt.

 




Daniela Kampschulte 

Ich bin Daniela, Berufskraftfahrerin und Kraftverkehrsmeisterin aus Attendorn im schönen Sauerland. In meiner Kolumne hier auf portatio, schreibe ich über alles rund um meinen Job und allem, was damit zu tun hat! Witziges darf da natürlich nicht fehlen.Besucht mich auchauf meinem privaten Blog.


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