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19.11.2013 - Autor: Jochen Dieckmann  - Straßenverkehr



Was geht mich Deine Maut an?


Wenn man die aktuelle Diskussion um Maut verfolgt, fragt man sich, ob einige Politiker selbst an das glauben, was sie sagen oder ob sie das Wahlvolk für dumm verkaufen wollen.

Autobahnstau

Eine PKW-Maut wird abgelehnt und als Begründung wird allen Ernstes gesagt, das sei ja „Abzocke“. Stattdessen soll die LKW-Maut ausgeweitet werden. Warum das nun wiederum keine „Abzocke“ ist, bleibt offen. Dahinter versteckt sich die kurzsichtige Argumentationslinie, dass das ja nur diejenigen treffe, die mit ihren LKW immer unsere Autobahnen verstopfen und unsere Brücken mutwillig kaputt machen.

Analog könnte man auch sagen, Preiserhöhungen für Tierfutter von Kühen treffe nur die Milchbauern, Preiserhöhungen von Holz nur die Möbelindustrie oder Strompreiserhöhungen nur die Hersteller von Glühbirnen. An diesen Beispielen entlarvt sich die fehlende Logik der scheinbaren Begründung, aber man kann’s ja mal versuchen.

Statistisch gesehen kommen auf 36 PKW ein LKW, aber nur der verursacht Stau. Stau sind ja sowieso immer nur die anderen und eigentlich eh nur die LKW. Unbegrenztes Wachstum in der Produktion und analog in der Logistikbranche soll in Zeiten der Deregulierung auch im Straßenverkehr keinesfalls eingeschränkt werden. Dieses Problem kann oder will die Politik nicht lösen, aber man möchte wenigstens gern ein Geschäft daraus machen. Wenn die gut bezahlten Funktionäre weiterhin so bräsig ihre Arbeit machen, werden wir in 10-20 Jahren mit unseren LKW auf die Autobahn fahren und uns in den dann garantierten Dauer-Stau einreihen. Dort können wir dann aussteigen, die Hecktüren und Planen öffnen, eine Kette bilden und dann die Päckchen von Hand bis zum Empfänger durchreichen.

Das absurdeste an der ganzen Diskussion ist die Tatsache, dass das umstrittene Toll-Collect-System weder die Ausweitung der LKW-Maut auf alle Bundesstraßen noch eine allgemeine PKW-Maut technisch überhaupt ermöglichen. Dennoch soll auf Biegen und Brechen daran festgehalten werden, auch über das vertraglich vereinbarte Jahr 2015 hinaus. Manche Laien vermuten Schmiergelder dahinter, Fachleute räumen bestenfalls kleine Fehler in der Planung ein.

Sollte es nun wider Erwarten doch zu einer PKW-Maut kommen, weil die Vignettenlösung das einzige ist, was aktuell technisch überhaupt möglich ist, wäre eine zeitliche Befristung wünschenswert, bis bessere Konzepte vorliegen. Denn mit der Maut sollte ja eigentlich nicht nur Staatsknete verdient werden, sondern es sollten auch diejenigen belohnt werden, die ihren fahrbaren Untersatz im Zweifelsfall auch mal stehen lassen und auf Fahrgemeinschaften oder öffentlichen Verkehr ausweichen. Das entfällt bei der Vignettenlösung, es bliebe beim Flatrate-Fahren. Und beim Flatrate-Stau für alle.




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen als Teil der Transportbotschafter für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.


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