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15.03.2016 - Autor: Jochen Dieckmann  - Aus der Branche



Parkplatznot wegen Bordellreklame?


Ein Kollege brachte mir heute einen Artikel aus dem Stern vom 14.1.2016 mit der Überschrift "Stehender Verkehr".
Dort werden in einem Artikel zwei Themen munter vermischt, nämlich erstens die Parkplatznot für LKW an den Autobahnen und zweitens die Zunahme von Fahrzeugen mit Werbeaufschrift.


Es wird einem Willi Kraus über die Schulter geguckt, der in Düsseldorf 14 Sprinter und Klein-LKW gebrandet hat mit Werbung für einen Puff, vornehmer ausgedrückt einen Sauna-Club. Seine Fahrzeuge stehen oft an Ausfallstraßen, auf Brücken, die über die Autobahnen führen, in Wohngebieten und auf Landstraßen. Ab und zu mal steht auch einer auf einem Autobahnparkplatz, aber das ist die Ausnahme. Denn wenn so ein Fahrzeug in einer für LKW vorgesehenen Parktasche steht, kann man die Werbung gar nicht sehen, weil sie durch die parkenden Fahrzeuge links und rechts daneben verdeckt würde.
In dem Artikel steht, dass es nicht nur bei den 14 Puff-Autos bleibe, sondern die Werbung auf Anhängern und Lieferwagen zunehme. Das ist sicherlich richtig, aber auch die anderen Werbefahrzeuge stehen selten auf Autobahnparkplätzen und Autobahnraststätten. Wir mussten lange suchen, bis wir dieses Foto von Bernd Kurze fanden (danke!) und das ist auch bereits einige Jahre alt.

Zu den fehlenden Parkplätzen für LKW wird in dem Artikel gesagt, dass es 6.000 seien, aber leider wird dafür keine Quelle angegeben. Das Bundesverkehrsministerium und andere Experten setzen diese Zahl um einige Tausend höher an. Ich habe das Gefühl, über LKW darf man im Stern alles behaupten, ohne es belegen zu müssen. Jedenfalls solange es nichts allzu Positives ist, wo der LKW gut bei weg käme. Die großen Print-Medien wie Stern, Spiegel, Focus, überregionale Tageszeitungen usw. berichten über den LKW nur, wenn er Unfälle verursacht, Lärm macht wenn er fährt und das Straßenbild stört wenn er steht, umkippt, weil er zu leicht ist, die Straßenbeläge zerstört, weil er zu schwer ist, was aber nur durch eine 55 Jahre alte Studie belegt werden soll oder wenn Fahrer irgendwas falsch machen. Es ist das alte Rezept, Quote zu machen, indem man diejenigen zu Sündenböcken erklärt, die sowieso niemand mag.

Fazit: Sowohl die Parkplatznot für LKW als auch die zunehmende Zahl von Fahrzeugen mit Werbeaufschrift sind interessante Themen. Sie haben aber so viel miteinander zu tun wie ein Fischverleih mit einem Schiffsverleih. Dass die Puffautos verantwortlich sein sollen für die tausende von fehlenden LKW-Parkplätzen, ist eine freie Erfindung der Stern-Redaktion.

 Wie kreativ die Stern-Schreiber ihrer Phantasie freien Lauf lassen, wenn es um LKW geht, belegt eine weitere Passage aus dem Artikel: Da steht, die Betreiber der jeweiligen Gastronomie an den Autobahnraststätten hätten nichts gegen die Fahrzeuge mit der Bordellwerbung, seit sie Freikarten für den Puff bekommen hätten. Da war der Schreiberling frei von Sachkenntnis, denn sie hätten auch ansonsten nichts dagegen gehabt, da sie lediglich Pächter "ab Bordsteinkante" und für den Parkplatz absolut und überhaupt nicht zuständig sind.




Jochen Dieckmann 

Der gelernte Journalist hat viele Jahre als internationaler Fernfahrer gearbeitet und über seine Erfahrungen das Buch „Geschlafen wird am Monatsende“ geschrieben. Heute setzt sich Jochen als Teil der Transportbotschafter für ein besseres Image des Straßengüterverkehrs ein und bloggt für portatio.


Kommentare (1)
F_R_1206 - 16.03.2016 20:36 Uhr
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Bei der BKF-Schulung zum Thema Sozialvorschriften hat der SVG-Schulungsleiter die Zahl 15.000 genannt beim Thema fehlende Stellplätze deutschlandweit jede Nacht.
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